Wer bin ich … ein Pinguin?

Wenn du die Wahl hättest zwischen allen Tieren, die du kennst, in wessen Haut würdest du gerne einmal für eine Weile schlüpfen? Wenn du dir ein Tier in deiner konkreten Situation vorstellst, die du vielleicht gerade als sehr herausfordernd empfindest, welches Tier könnte mit seinen Fähigkeiten Positives beisteuern, Lösungen finden? Ich bin mir ziemlich sicher, der Pinguin wäre nicht deine erste Wahl. Da gibt es andere Tiere, die wir eher mit Stärken und positiven Eigenschaften assoziieren.

Du fragst dich: Wie komme ich nun gerade auf die Pinguine …? Ja, da gibt es so ein Video auf YouTube von Eckhart von Hirschhausen, was schon einige Jahre alt ist, aber nichts von seiner Aktualität und Relevanz verloren hat. Es war für mich ein echter Augenöffner, als ich es vor einigen Jahren zum ersten Mal gesehen habe. Und wenn du die Kommentare zu dem Video anschaust, wirst du feststellen, dass es anscheinend ganz vielen Menschen so ging und immer noch geht. (Falls du es tatsächlich noch nicht kennen solltest: Den Link findest du am Ende des Blogartikels.)

Wie schon gesagt: Welches Tier wärst du gerne? Und warum? Nimm dir bitte einen Moment Zeit, darüber nachzudenken, bevor du weiterliest.

Fehlkonstruktion?

Was auch immer für ein Tier du im Kopf hast, es unterscheidet sich vermutlich an einigen Punkten ganz eklatant vom Pinguin. Vielleicht denkst du an eine Giraffe, die ihren Hals hochstreckt, sich Futter von weit oben holen kann und einen weiten Überblick hat; die eine völlig andere Sichthöhe hat als alle anderen – einfach, weil sie durch ihren langen Hals ganz andere Voraussetzungen mitbringt. Oder du denkst an einen Geparden, der mit seiner unfassbaren Geschwindigkeit in der Lage ist, andere Tiere weit hinter sich zu lassen und seine Beute zu erlegen. Oder du denkst an einen Vogel Strauß, der zwar nicht so intelligent ist wie manch anderes Tier, aber an Stärke und Schnelligkeit viele andere Tiere weit hinter sich lassen kann. Oder an einen Greifvogel – ich denke gerade an den Rotmilan, der über den Feldern hinter unserem Haus kreist – der in einer unendlichen Leichtigkeit dahinschwebt, weil er die Thermik nutzen kann. Seinen scharfen Augen entgeht auch in unglaublichen Höhen keine Maus. Und irgendwie schafft er es dann, sich in einer hohen Geschwindigkeit auf die Erde zuzubewegen, aber unverletzt bei seinem Beutetier zu landen. Alles auf seine Art und Weise ziemlich spektakulär.

Im direkten Vergleich kann man sich fragen, ob so ein Pinguin, den du dir vielleicht gerade auch noch an Land vorstellst, nicht irgendwie benachteiligt ist. Ob er eine Fehlkonstruktion ist. So richtig können wir seine besonderen Eigenschaften gar nicht wahrnehmen – und ganz besonders dann nicht, wenn wir ihn an Land mit den anderen Tieren vergleichen, die dort ihren Lebensraum haben. Stell ihn dir direkt neben der Giraffe vor … oder neben dem Gepard, dem Vogel Strauss oder dem Rotmilan.

Was denkst du? Wie ist das mit dir? Mit wem vergleichst du dich? Und wie schneidest du dann in deinen eigenen Augen ab? Aus meiner eigenen Geschichte erinnere ich mich ungern an die Zeit aus dem Sportunterricht. Es war mir ein Graus, wenn Mannschaften gewählt wurden und mir klar war, ich bleibe als eine der Letzten übrig. Das hat mich sehr entmutigt. Oder im Schwimmunterricht … Ganz vorne schwammen immer die, die im Sport- und/oder Schwimmverein waren. Die sich mehrmals in der Woche zum Training trafen. Heute kann ich sagen: Natürlich konnte ich da nicht mithalten. Mit nur zweimal die Woche Sportunterricht. Mit einer Familie, in der Sport eher keine große Rolle spielte. Lange Zeit habe ich mich selbst als unsportlich gesehen und mich dadurch selber ausgebremst und von Positivem abgeschnitten … bis ich in einem vollkommen anderen Kontext meinen Sport gefunden habe, der mir Spass macht, den ich liebe. Nicht jeder muss Geräteturnen oder Schwimmen. Und natürlich habe ich in der Zeit damals nicht meine anderen Fähigkeiten und Stärken gesehen, die ja dennoch da waren … Mein Blick war wie im Tunnel auf das Thema Sport gerichtet. Sonst gab es in diesen Momenten nicht viel, was ich wahrgenommen habe.

An welchen Stellen empfindest du dich schonmal als Fehlkonstruktion? Wo vergleichst du dich im destruktiven Sinne? Wo entmutigst du dich, machst dich vielleicht sogar runter, weil du denkst, du müsstest so wie jemand anders sein? Auf jeden Fall besser, anders, großartiger als du dich selbst gerade wahrnimmst? Wo kannst du deine Stärken und Möglichkeiten gar nicht mehr wahrnehmen, weil dein Blick an dem hängen bleibt, was gerade nicht gut ist? Weil das deinen Fokus hält?

Praktisch werden – Dein nächster Schritt?

Ich wünsche dir, dass du deine Lösung und deinen Weg in deiner aktuellen Situation entdeckst. Ich unterstütze dich gerne dabei:

Ob im Rahmen eines Encouraging-Trainings, wenn du lernen möchtest, wie du gut mit dir selbst umgehen und dich ganz praktisch selbst ermutigen kannst. Ermutigung ist der Schlüssel für jeden Schritt in Richtung Entwicklung und Wachstum. Und auch für den ersten Schritt raus aus dem destruktiven Vergleich, der zwangsläufig zur Entmutigung führt.

Oder auch im Rahmen von gemeinsamen Gesprächen, wo wir uns zusammen auf den Weg machen und ich dich ein Stück dabei begleite, dich selbst und dein Gewordensein besser zu verstehen, deine Stärken, Fähigkeiten und Ressourcen wieder neu oder auch zum ersten Mal ganz bewusst zu entdecken. Und das kann dann vielleicht in einem nächsten Schritt bedeuten – um auf das Bild mit dem Pinguin zurückzukommen -, das Wasser zu suchen und zu finden, dass du als Pinguin brauchst. Vielleicht steckst du aktuell auf dem Land fest und damit in einer Umgebung, wo deine Stärken nicht wirklich zum Tragen kommen, ja wahrscheinlich gar nicht sichtbar sind. Aber sie sind da! Und damit auch der einzigartige und so besondere Cocktail, der dich ausmacht.

Wenn der Pinguin sich seiner selbst bewusst ist – seiner Stärken, Fähigkeiten und Ressourcen, aber auch seiner Grenzen – und mit dem, was er da findet versöhnt ist, dann braucht er nicht mehr wie verrückt zu versuchen, eine Giraffe oder irgendetwas anderes zu werden und daran durch ständige Entmutigung immer wieder zu scheitern. Dann kann er mit innerer Freude, Gelassenheit und Freiheit in seinem Element seinen einzigartigen Beitrag leisten für sich und für die anderen. Was für ein Geschenk! Und das nicht nur für ihn selbst, sondern auch für die um ihn herum.

Ach ja, jetzt hätte ich es fast vergessen: Hier findest du den Link zu dem wirklich inspirierenden Video von Eckhard von Hirschhausen. Ich wünsche dir viel Spaß beim Anschauen und wertvolle Aha-Momente!

Kategorie: Allgemein

Bildnachweise: © Rod Long - Unsplash

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