Ermutigend vergleichen?

Grundsätzlich bin ich der Überzeugung, dass wir uns nicht vergleichen brauchen, ja noch nicht einmal vergleichen können. Jeder einzelne ist wertvoll, einzigartig und besonders – ein Unikat eben. So individuell wie unsere Fingerabdrücke, so ist auch unser Charakter, unsere Persönlichkeit, der Cocktail an Gaben, Fähigkeiten, Gewordensein, der jeden von uns ausmacht. Jeder Vergleich kann immer nur einen Teilaspekt abbilden und damit niemals dem Ganzen gerecht werden. Können Vergleiche überhaupt hilfreiche Aspekte beinhalten? Oder sind sie grundsätzlich destruktiv? Oder ich will die Frage einmal anders formulieren: Ist es möglich, dass Vergleichen vielleicht sogar ermutigen und Wachstum fördern kann? Und wenn ja: Wie kann das gehen?

Vergleichen als ermutigender Ansporn zum Wachstum

Eine ganz wesentliche Voraussetzung für hilfreiches Vergleichen liegt – in meinen Augen – in der inneren Haltung mir selbst gegenüber. Sie ist die entscheidende Basis für Er- oder Entmutigung, die aus dem Vergleichen entsteht. Wenn ich sowieso schon entmutigt bin, vielleicht noch gar nicht so genau weiß, wo meine Stärken und Fähigkeiten liegen oder wenn gerade alles zu viel ist und ich keine Kraft und keinen Mut empfinde, mein Leben aktiv zu gestalten, dann wird mir bei anderen besonders das auffallen, was mir fehlt, was ich in meinen Augen nicht kann und wo der andere besser ist. Mein Fokus liegt in diesem Momenten auf meinem Mangel und so werde ich vermutlich in eine (Vergleichs-) Spirale einsteigen, die immer weiter nach unten geht und meine Entmutigung vergrößert. Jeder von uns ist manchmal entmutigt oder empfindet sich heraus- oder überfordert. Wenn ich mich dann auch noch mangelorientiert vergleiche, ist die Abwärtsspirale vorprogrammiert.

Bin ich mir selbst gegenüber grundsätzlich positiv eingestellt, nehme mich an und ermutige mich, indem ich meine Fortschritte, Stärken, Ressourcen wahrnehme und schätze, kann ich mich leichter entscheiden, anders mit dem Vergleich umgehen. Besonders dann, wenn ich mich mit jemandem vergleiche, der eine Leidenschaft lebt, die auch in mir brennt; sei es beruflich, bei einem Hobby oder auch in anderen Bereichen. Wenn ich dann bewusst einen anderen Blick einnehme, nicht: Was kann die Person, was ich (noch) nicht kann und wieso klappt das bei mir nicht? Sondern indem ich den anderen quasi als Zielvision für mich nutze. Ein Beispiel zum Verdeutlichen: Wenn du etwas lernst oder lernen willst, in dem ein anderer in deinen Augen schon Profi ist, kannst du dich entscheiden, wie du darauf schauen willst. Du kannst sagen: „Das gelingt mir nie, wie kann das gehen? Boah, bei dem anderen sieht das alles so leicht aus, der kann das aus dem Effeff … und überhaupt, so werde ich das nie hinbekommen …“ Dann werden dich deine Gedanken und Selbstgespräche runterziehen und entmutigen. Vielleicht kannst du aber auch alternativ so etwas sagen, wie: „Er hat viel Erfahrung, die mir noch fehlt. Es ist ja erstaunlich, welchen Unterschied das machen kann. Wer weiß, wie ich mich mit mehr Erfahrung und Training in einer ähnlichen Situation/Herausforderung verhalte … will ich das für mich herausfinden?“ Spürst du den Unterschied?

Wir sehen bei anderen oft nicht den Einsatz, das Training, den Weg, den sie zurückgelegt haben, um das leben zu können, was sie heute leben. Das, was sie eingesetzt haben. Wir möchten am liebsten jetzt sofort schon da sein und das haben oder können, was der andere in unseren Augen mit Leichtigkeit beherrscht.

Praktisch werden

Manchmal fängt es genau so an: Du siehst bei jemandem anderen etwas, was er kann oder lebt und du merkst plötzlich: Das begeistert mich, das möchte ich auch können. Um noch einmal den Pinguin au dem letzten Blogartikel aufzugreifen: Du spürst, da ist ein anderer Pinguin! Das ist keine Giraffe oder irgendetwas Fremdes. Du bist fasziniert von seinen Fähigkeiten und seinem Können. Du beobachtest ihn beim Schwimmen, beim Tauchen, wie er sich in spielerischer Leichtigkeit in seinem Element bewegt. Und du denkst „Wow! Davon will ich auch etwas … das hat etwas mit mir zu tun!“ Du spürst ein Brennen in dir, eine Leidenschaft …

Wie könnten also jetzt mögliche gewinnbringende Schritte für dich aussehen? Wie kannst du dich für den ermutigenden Umgang mit dieser Situation entscheiden? Vielleicht so oder so ähnlich:

 

Kategorie: Allgemein

Bildnachweise: © Bob Brewer - Unsplash

Mit einer Anmeldung zum Newsletter verpasst du keinen Blogartikel mehr und wirst über anstehende Termine und andere Neuigkeiten informiert. Ich freue mich über dein Interesse!